Clever shoppen wird immer beliebter. Dieser Trend macht auch vor Journalisten nicht halt, denn viele Firmen bieten für Pressevertreter besondere Einkaufsvorteile. Journalisten erhalten hochwertige Markenwaren oder Dienstleistungen bequemer und preiswerter. Die Anbieter repräsentieren alle wichtigen Einkaufsbereiche und Dienstleistungen: Finanzen, Airlines und Hotels, Reiseveranstalter, Software- und Autohersteller, Telefon- und Hardwareanbieter, Online-Shopping, Hersteller von Markenprodukten, Bildung, Lifestyle, Großhändler, Multimedia etc.
Hochkonjunktur für Journalisten-Rabatte
Die Zeiten als Pressevertreter verschämt nach Rabatten Ausschau hielten, sind endgültig vorbei. Längst befinden sich Journalisten im Focus der Firmen und werden als bevorzugte Klientel behandelt. Mittlerweile steht die Mehrzahl der Journalisten und Medienschaffenden zu ihrem beruflichen Sonderstatus. Warum auch nicht, schließlich werden andere Berufsgruppen von der Industrie umgarnt. - Autohersteller bieten spezielle Presserabatte
- Reiseveranstalter gewähren Journalistenrabatte
- Softwareanbieter räumen Vorzugspreise ein
- Sonderkonditionen gibt es bei Versandhändlern
- Journalisten erhalten zudem bevorzugte Handytarife
- Hohe Preisabschläge bei der neuesten Hardware
- Bekannte Hotelketten bieten erstklassige Presserabatte
- Einladungen zu Firmenevents
- Online-Shopping ist für Pressevertreter günstiger
- Top-Dienstleistungsangebote für die Presse
- eCommerce-Anbieter bieten lukrative Preisnachlässe
Verbietet der Pressekodex die Annahme von Presserabatten?

Im Gegenteil: Rabatte und Einladungen sind erlaubt, wenn Recherche und Berichterstattung nicht beeinflusst wird. Bei der Pressekodex-Richtlinie 15 ist zu finden: Recherche und Berichterstattung dürfen durch Vergabe oder Annahme von Geschenken, Rabatten oder Einladungen nicht beeinflusst oder verhindert werden. Die Gefahr einer Beeinträchtigung bei der Entscheidungsfreiheit von Redaktionen sowie der unabhängigen Urteilsbildung besteht, wenn Journalisten Einladungen oder Geschenke annehmen, deren Wert das im gesellschaftlichen Verkehr übliche und im Rahmen der beruflichen Tätigkeit notwendige Maß übersteigt.
Im Klartext: Hauptkriterium für eine journalistische Arbeit ist Glaubwürdigkeit und Objektivität. Mediennutzer können den Wahrheitsgehalt von Informationen meist nicht überprüfen und verlassen sich deswegen auch auf die Objektivität von Journalisten. Lassen sich Journalisten in ihrer Berichterstattung von materiellen Vorteilen leiten, liegt die Ursache nicht bei den Rabattanbietern, sondern in der charakterlichen Verfassung der Nutzer. Journalisten, die ihren Job ernst nehmen, wissen das Eine vom Anderen klar zu trennen. Warum sollten Presseleute auf Vorteile verzichten, die andere Berufsgruppen gerne nutzen und trotzdem objektiv bleiben?
Gerade den freiberuflich tätigen Journalisten, die hart um Aufträge kämpfen müssen, ist ein Presserabatt willkommen - und manchmal auch zwingend notwendig. Ein Rabatt auf die teure, für die berufliche Tätigkeit verwendete Fotoausrüstung, ist dann schon ganz angenehm.
Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Wirklich?
Einige Branchenvertreter pflegen zwar das Vorurteil, Journalisten würden wegen der eingeräumten Rabatte gleichsam Jubelberichte über Rabattanbieter an prominenter Stelle lancieren. Oder unterstellt möglicherweise der rege Gebrauch vergünstigter Produkte eine Manipulation an Journalisten. Diese und ähnlich klingende Meinungen entsprechen aber, wie die Praxis zeigt, nicht den Tatsachen. Lassen wir uns wirklich einreden, ein Redakteur der Süddeutschen Zeitung oder der Hamburger Morgenpost schreibt freundlich über die Bahn, nur weil er um 30 % preiswerter mit dem ICE von München nach Berlin fahren dürfte - Verspätung inklusive?
|